Botschaft der Republik Slowenien in Berlin /Ansprache der Botschafterin /

Ansprache der Botschafterin

2017 – ein Jahr der vielen Jubiläen für Slowenien.


Es wird mir warm ums Herz, wenn ich sehe, was alles im Jahr 1992 passiert ist und welchen Einfluss die Ereignisse von damals auf die Weiterentwicklung unseres damals neu gegründeten selbstständigen Staates hatten.


Zunächst einmal stand das Jahr im Zeichen der diplomatischen Anerkennungen Sloweniens und der formellen Eingliederung des jungen Staates in die internationalen Organisationen.  Am 13. Januar wurde Slowenien vom Vatikan, am 15. Januar von der Europäischen Union und allen ihren Mitgliedsstaaten und am 07. April von den USA anerkannt.  Deutschland äußerte bereits am 19. Dezember 1991 die Absicht über die Anerkennung Sloweniens, wartete jedoch auf die gemeinsame Anerkennung durch die  Europäische Gemeinschaft.


Es machte uns glücklich und mutig, dass wir so viel erreicht haben. Lassen Sie mich einige Ereignisse von damals erwähnen:


- erstmals in der Geschichte nahmen 25 slowenische Sportler im Februar unter der Flagge des unabhängigen Staates Slowenien  an den Olympischen Winterspielen 
  in Albertville teil;
- im April hat die erste Generation slowenischer Soldaten das feierliche Gelöbnis abgelegt;
- im Mai wurde Slowenien als 176. Staat von der UN als Mitglied aufgenommen;
- im Juli haben zwei Ruderer aus Bled/Slowenien, Iztok Čop und Denis Žvegelj in der Diziplin Zweier ohne Steuermann und Milan Janša, Sadik Mujkič, Sašo Mirjanič
  und Jani Klemenčič im Vierer ohne Steuermann  bei den Olympischen Spielen in Barcelona die Bronze-Medaille gewonnen;
- im September wurde von der Bank Sloweniens der slowenische Tolar als neue Währung in Umlauf gebracht;
- im Dezember fand die erste Parlaments- und Präsidentenwahl des unabhängigen Sloweniens statt.


Aus heutiger Sicht  erscheint es als selbstverständlich,  dass unser Staat so schnell anerkannt wurde und als ein vollwertiges Mitglied in die internationale Gemeinschaft aufgenommen wurde. Wenn wir jedoch auf die Ereignisse in unserer nächsten Nachbarschaft auf dem Westbalkan blicken, stellen wir fest, dass in den internationalen Beziehungen nichts selbstverständlich ist und einem nichts geschenkt wird.  Nach dem Zerfall Jugoslawiens waren nach Ansicht ausländischer Beobachter zwei der neu gegründeten Staaten für eine schnelle Integration in Europa am besten gewappnet. Wir waren der eine Staat, der andere ist leider noch heute weit davon entfernt.

Bundeskanzler Helmut Kohl machte nach der Sitzung der EU-Außenminister in Brüssel am 17. Dezember 1991, in der über die Anerkennung der Nachfolgestaaten nach dem Zerfall Jugoslawiens beraten wurde, folgende Aussage: "Für uns Deutsche geht es vor allem um das Schicksal von Menschen, und es geht um ihre Lebensperspektiven in Frieden, Freiheit, Demokratie."


Es geht uns um die Zukunft in Frieden, Freiheit und Demokratie.

 

Slowenien lebt heute in Frieden, Freiheit und Demokratie. Das gleiche kann man leider nicht von allen ehemaligen Staaten Jugoslawiens behaupten, die immer noch mit vielen essentiellen Problemen kämpfen.


Wie oft habe ich mir in den vergangenen Jahren gesagt: "was für ein Glück, dass wir bereits mehr als  12 Jahre in der EU leben, dass wir den Euro haben und ein Mitglied des Schengen-Raums sind." Dabei sollten wir die Augen nicht vor der Tatsache verschließen, dass auch die EU mit vielen Problemen zu kämpfen hat.
"Es kann nicht immer nur aufwärts gehen" sagte der Bundesminister Schäuble kürzlich sehr treffend. "Die EU hat schon manche Krise gemeistert und wird auch einen Brexit oder die Unstimmigkeiten bei dem Thema Migration überleben. Es gilt, den Zusammenhalt zu stärken, eine gemeinsame europäische Stimme zu finden und einen Plan für unsere gemeinsame Zukunft zu entwickeln."


Ich bin stolz auf unseren Staat – trotz manch herber Kritik von einigen Landsleuten. In sozialen Netzwerken geben viele Menschen Unsägliches von sich. Digitaler Hass ist ein gesellschaftliches Problem großen Ausmaßes. Es wird manchmal ohne Hemmungen gehetzt. Ich spreche auch aus eigener Erfahrung. Als ich im Dezember vergangenen Jahres die Auszeichnung "Botschafterin des Jahres 2016" erhielt, kommentierte eine in der Schweiz lebende Slowenien wie folgt: "Armes Deutschland -  es gibt dort keine klugen Menschen mehr! Die meisten leben bei uns in der Schweiz!" Nur weil sie jemanden, den sie überhaupt nicht kennt, nicht mag, beleidigte sie Deutschland und die Deutschen – öffentlich und ohne Hemmungen! Allein die Bereitschaft, andere negativ in der Öffentlichkeit zu bewerten, weist darauf hin, dass man eher unzufrieden ist und zu persönlichen Störungen neigt.


Wir sollten ja auf Missstände hinweisen und berechtigte Kritik üben. Aber seien wir doch mal ehrlich: wäre es nicht besser, weniger herumzukritisieren und mehr zu loben, wenn es dazu Anlass gibt? Und miteinander zu reden, auch wenn wir oft nicht gleicher Meinung sind? Es gilt ja auch: Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber niemand hat das Recht auf eigene Fakten.


Möge uns dieses Jubiläum 25 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Slowenien und Deutschland, das von großen Erfolgen und guten partnerschaftlichen Beziehungen auf gleicher Ebene gekennzeichnet ist, eine gute Motivation sein, um auf einem der anspruchsvollsten Märkte der Welt, in einem der technologisch am meisten entwickelten Länder der Welt und in einem Land, das 40mal mehr Einwohner hat und 18mal größer ist als Slowenien, weiterhin so erfolgreich zu sein.


Alles Gute Slowenien, alles Gute Europa!

 

Marta Kos Marko
Botschafterin